Games Week Berlin: So viele Talente wie noch nie erfinden gute Spiele

Der Programmierer Isaac Ashdown ist vor zehn Jahren von England nach Berlin gezogen, hat hier ein Studio gegründet, sein Traumspiel entwickelt und damit sein Studio vor die Wand gefahren. Der Titel ist ein kommerzieller Flop, der Laden dicht.

Heute arbeitet Ashdown in einem Bürohaus, das in einem grauen Hinterhof am Kottbusser Tor liegt – eine der besten Adressen der deutschen Spielebranche. Hier versammelt das Kollektiv Saftladen einige der besten Independent-Spiele-Entwickler Deutschlands. Sie arbeiten hier nebeneinander, hin und wieder auch zusammen.

Von innen sieht das Studio nach wenig aus. Es ist still, Menschen brüten an Schreibtischreihen. Nach Jahren ist immerhin jemand auf die Idee gekommen, ein paar Zimmerpflanzen aufzustellen. Genau hier fühlt sich Isaac Ashdown wohl.

Gemeinsam mit zwei anderen Entwicklern hat er 2015 das Ministudio inbetweengames gegründet. Zusammen machten sie das, wovon viele Spielemacher träumen: Sie arbeiteten an einer Spieleidee, die schwer zu verkaufen ist.

Als Ashdown seinem Ehemann „All Walls Must Fall“ erklärte, sagte der, das sei das ultimative Hipsterspiel. Es ist vielleicht auch das ultimative Berlinspiel: In einer alternativen Zukunft ist die Mauer nie gefallen, der kalte Krieg dauert an, als Unbekannte eine Atombombe im Berliner Fernsehturm zünden. Nur ein zeitreisender Geheimagent kann die Welt jetzt noch retten. Spuren führen in die Clubszene. Und so bewegt sich der Spieler zum Beat elektronischer Musik durch Schwulenclubs, flirtet, tarnt und schießt sich durch einen verworrenen Plot.

Das Herz der Games-Branche

Das düstere Taktikspiel erregte früh Aufmerksamkeit, weil es gleichzeitig ungewöhnlich und stilsicher wirkte. Das reichte für eine erfolgreiche Finanzierung über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Aber das Interesse stieß an Grenzen. Verkauft hat sich der Titel am Ende genug, um die Entwicklungskosten hereinzuspielen. Mehr ist nicht drin. Im Februar wurde die finale Version des Spiels veröffentlicht. So sieht die Lebenswirklichkeit der Spielemacher aus. Jedes Jahr erscheinen tausende Spiele, Flops sind normal.

Kleinstfirmen wie inbetweengames sind das Herz der Branche. …read more

Source:: Berliner Zeitung – Digital

Professor Vetterli erklärt: Was ist eigentlich die Erdős-Zahl?

Martin Vetterli ist Präsident der EPFL in Lausanne und führender Experte für Digitalisierung. Jede Woche erklärt er Begriffe aus der digitalen Welt.

In den 90ern verfasste ich zusammen mit ­David Donoho, einem Statistikprofessor an der Stanford University in Kalifornien, ­einen wissenschaftlichen Artikel über „Wavelets». Was ich zu der Zeit aber nicht wusste, war, dass Donoho zuvor auch mit einem Co-Autor von Paul Erdős zusammengearbeitet hatte, was ihn zum glücklichen Träger der ­sogenannten Erdős-Zahl 2 machte.

Er konnte blitzschnell berechnen, wie viele Sekunden ein Mensch schon lebte

Paul Erdős, der Namensgeber der Erdős-Zahl, war ein unga­risches Mathematikgenie. Er wuchs im frühen 20. Jahrhundert in Budapest auf und wurde vor allem von seiner Mutter zu Hause unterrichtet (tatsächlich waren seine beiden Eltern ­Mathematiklehrer an Sekundarschulen). Die Mathematik war also schon in sehr frühen Jahren Teil seines Alltags. Wenn die ­Eltern des kleinen Paul nicht da waren, lernte er allein zu Hause lesen, indem er die Mathematikbücher seiner Mutter und seines Vaters durchging. Und wie die meisten Genies war er auch ein wenig exzentrisch: Im Alter von vier konnte er, wenn ihm jemand sein Alter sagte, auf der Stelle berechnen, wie viele Sekunden dieser Mensch schon am Leben war – im Kopf!

Kurz gesagt, Erdős lebte schon früh und sein ganzes Leben lang nur für die Mathematik, was ihn zu einem der produktivsten Mathematiker aller Zeiten machte. In der Tat veröffentlichte Erdős in seinem Leben über 1500 wissenschaftliche Artikel zu mathematischen Themen. Aber natürlich verfasste er viele ­davon ­gemeinsam mit anderen ­Mathematikern. Und hier kommt die Erdős-Zahl ins Spiel.

Die Zahl gibt die Distanz zwischen Erdős und einer anderen Person an

Da Erdős über 500 Co-Autoren hatte, wollte ein Mathematikerfreund dieser enormen gemeinschaftlichen Produktion Tribut zollen. Er definierte daher die Erdős-Zahl als eine endliche Zahl, die die Distanz zwischen Erdős und einer anderen Person angibt. Um also …read more

Source:: Blick.ch – Digital