Vertreibung der Rohingya: „Ich habe Kinder mit Schussverletzungen gesehen“

Sie gelten als die am stärksten verfolgte Minderheit der Welt: Im mehrheitlich buddhistischen Myanmar sind die muslimischen Rohingya ein Volk ohne Rechte – und zunehmend auch ohne Heimat. Immer mehr Menschen fliehen vor der Gewalt der myanmarischen Armee. Hilfsorganisationen berichten von Vergewaltigungen und Folter. Der Publizist Jürgen Todenhöfer hat die Grenzregion zwischen Myanmar und Bangladesch besucht und sagt: „Alles deutet auf die geplante Auslöschung der Rohingya hin.“

Herr Todenhöfer, seit Wochen fliehen die Rohingya aus Myanmar nach Bangladesch. Sie kommen gerade von dort zurück. Was haben Sie gesehen?

Wir waren in Bangladesch in mehreren Flüchtlingslagern und Krankenhäusern. Auf meinen Reisen habe ich auch früher schon viele Flüchtlingslager gesehen und viel Elend. Aber was ich in den Lagern an der Grenze zu Myanmar gesehen habe, war einfach unbeschreiblich. Das Schlimmste ist: Die Lage für diese Menschen ist völlig aussichtslos. Myanmar hat sie aus meiner Sicht bewusst aus rassistischen und religiösen Gründen vertrieben. Und will sie nicht zurück. In Bangladesch werden sie auch nicht bleiben können. Die Regierung dort bemüht sich zwar nach Kräften, die Rohingya zu versorgen. Aber Bangladesch ist eines der ärmsten Länder der Welt. Es hat schon Schwierigkeiten, die eigenen Staatsbürger zu versorgen. Wir sprechen schließlich über mehr als eine halbe Million Flüchtlinge, die in den letzten Wochen über die Grenze gekommen ist.

Woher kommt der Hass auf die Rohingya? Die große Mehrheit der Menschen in Myanmar gehört dem Buddhismus an, einer angeblich besonders friedfertigen Religion.

Rassismus lässt sich schwer erklären. Es gibt in Myanmar verschiedene Ethnien, auch andere Volksgruppen haben Probleme. Aber sie haben zumindest die myanmarische Staatsangehörigkeit. Die Regierung behauptet, die Rohingya seien erst mit der britischen Kolonialherrschaft aus Bangladesch gekommen – obwohl sie nachweislich schon Hunderte von Jahren in Myanmar leben. Aber die Rohingya haben eine andere Religion, und die meisten sind dunkelhäutiger als die durchschnittliche Bevölkerung. Diese Kombination von …read more

Source:: Berliner Zeitung – Kultur