Zwischen Tragik und Komik: Müllers Aus und der normale HSV-Wahnsinn

Es ist wie verflixt: Nichts klappt beim Hamburger SV, selbst der Torjubel geht daneben.

Als Nicolai Müller nach dem frühen Siegtreffer zum 1:0 (1:0) über den FC Augsburg zum Jubel ansetzte, drei eingesprungene Pirouetten drehte und dabei die Eckfahne niederriss, verdrehte er sich so sehr das Knie, dass das vordere Kreuzband riss. Diagnose: sieben Monate Pause. „Was für ein Schock», twitterte der HSV. Denn Müller ist sein torgefährlichster Mann. In der Vorsaison gelangen dem Ex-Nationalspieler fünf Tore und sieben Vorlagen.

Müllers grotesker Unfall und seine fatalen Folgen waren der passende Abschluss einer wieder einmal turbulenten Woche beim HSV. Begonnen hatte es fünf Tage zuvor mit der peinlichen Pokalpleite beim sieglosen Drittligisten VfL Osnabrück (1:3). Verrückt wurde das Treiben, als HSV-Investor und Club-Aktionär Klaus-Michael Kühne zum Rundumschlag ausholte. Da wurde erst der Trainer abgewatscht, dann der Vorstand als Reisender „auf der falschen Chaussee» gerügt und schließlich Sportdirektor Jens Todt Unfähigkeit beim Verkauf gut verdienender Profis vorgeworfen. Zumindest, so Kühne, gebe Todt sich Mühe.

Die HSV-Verantwortlichen kochten, aber sie bissen sich auf die Zunge. Als der 80-jährige Kühne von seinem Anwesen auf Mallorca den HSV als Hort der „Luschen» sowie den Fünfjahresvertrag für Pierre-Michel Lasogga und dessen Gehalt als „Flop des Jahrhunderts» bezeichnete, platzte Vorstandschef Heribert Bruchhagen der Kragen. „Das ist nicht der Sprachgebrauch, den ich im Umgang miteinander erwarte. Ich kann es nicht akzeptieren, dass er in seiner Enttäuschung eine solche Diktion wählt», rüffelte Bruchhagen den Milliardär im TV-Sender Sky.

Umso erleichterter sind Trainer, Sportchef und Vorstand, weil die Profis mit dem Sieg über Augsburg zu einer Beruhigung der aufgeheizten Atmosphäre beigetragen haben – da war die erschütterne Diagnose für Müller aber noch nicht bekannt. „Die ganzen negativen Sachen haben wir nicht an uns rangelassen. Wir wollten einen positiven Trend setzen», …read more

Source:: Stern – Sport

«Ich habe nichts gemacht»: Tedesco bleibt nach Traumeinstand bescheiden

Das verdiente Lob für sein Traumdebüt als Bundesliga-Trainer überließ der neue Hoffnungsträger seinen Spielern.

„Ich habe nichts gemacht», wies Domenico Tedesco sämtliche Glückwünsche für die überraschend tadellose Leistung des FC Schalke 04 fast empört zurück. Auch auf bohrende Nachfragen tat der 31 Jahre alte Trainer-Novize so, als hätte er den geringsten Anteil am hoch verdienten 2:0 (1:0)-Sieg im Topspiel gegen Vizemeister RB Leipzig: „Es war eine leidenschaftliche Partie von uns. Deswegen haben wir gewonnen. Der Grund war das Marschieren der Mannschaft und nicht der Matchplan.»

Selbst wenn bei Tedescos Understatement etwas Kalkül mitschwingen sollte: Bescheidenheit und Unaufgeregtheit scheinen Merkmale seines Naturells. Den Anhängern ist das erstmal egal. Die Nordkurven-Fans feierten ihre Lieblinge minutenlang so ausgelassen, als hätten sie gerade einen Schritt zum ersten Meistertitel seit 60 Jahren erlebt.

Mit Ausnahme der Gästeblöcke stand die Veltins-Arena am Ende Kopf. Tedesco fand das gut und forderte seine Jungs sogar ausdrücklich zur Jubelparty mit den Fans auf. Die hatten nach dem Jahr mit Ex-Coach Markus Weinzierl nach durchdachten und disziplinierten Vorstellungen gelechzt. Im nach Abpfiff gebildeten Kreis schien der Mann im grauen Pulli seinen Spielern gestenreich eine Standpauke zu halten. In Wahrheit aber gratulierte Tedesco seiner Elf zum perfekten Saisoneinstieg. „Ich habe Glückwünsche ausgesprochen. Ihnen gesagt, dass es ein guter Start war und dass sie mit den Fans feiern sollen.»

Während das Team aus der Kabine ein Jubelfoto postete, gewährte der Deutsch-Italiener nur dosierte Einblicke in seine Gefühlswelt. „Ein wenig aufgeregt» sei er vorher gewesen, gab Tedesco zu.

Später, als sein Herz nach den Toren von Nabil Bentaleb (43./Foulelfmeter) und Jewgeni Konopljanka (73.) vor Stolz und Freude eigentlich zerspringen musste, gestand er scheinbar emotionslos: „Es fühlt sich gut an. Die Atmosphäre war gigantisch.»

Schalke lieferte gegen den Meisterschafts-Zweiten der Vorsaison beileibe kein Offensivfeuerwerk, keine …read more

Source:: Stern – Sport