Karl Marx: „Das Kapital“ wird 150 Jahre alt

Der Kommunismus war nicht nur das mörderischste Unternehmen des 20. Jahrhunderts – das zu sehen genügt ein Blick auf Russland und China –, er war auch eine Buchreligion. Seine Bibel war „Das Kapital“.

Am Donnerstag vor 150 Jahren erschien der erste Band in Hamburg im 1848 gegründeten und bis heute existierenden Verlag von Otto Meissner: „Das Kapital – Kritik der politischen Ökonomie“. Mehr erschien zu Karl Marx‘ Lebzeiten (1818-1883) nicht. Band zwei und drei stellte Marx‘ Freund Friedrich Engels (1820-1895) aus riesigen Konvoluten des Nachlasses zusammen.

Das Buch war zunächst kein Bestseller, wurde dann aber – vor allem im 20. Jahrhundert – eines der wirkungsmächtigsten Werke der Literatur des 19. Jahrhunderts.

Auf der ganzen Welt gab es immer wieder Arbeitskreise, in denen „Das Kapital“ Zeile für Zeile gelesen wurde. Von Lenin und Mao Zedong bis zum Beispiel Rüdiger Safranski und Karl Schlögel. Ohne das „Kapital“ sei, so die Idee, die Welt nicht zu verstehen, geschweige denn zu ändern. „Das Kapital“ ist keine leichte Lektüre. Nirgends wird eingeführt. Kein geistiges Gleitgel weit und breit.

Nie ein Hinweis darauf, worauf das Ganze hinauslaufen wird. Nirgends ein Cliffhanger. Kein Wunder, dass die wenigsten Lektürezirkel und wohl noch weniger individuelle Leser sich durch alle drei Bände hindurcharbeiteten.

Was sah Marx in der Tiefe?

Das aber wäre nötig, um zu begreifen, was „Das Kapital“ ist. Es ist ein Tauchgang. Es ist der Versuch des begeisterten Hegellesers Karl Marx, durch die wildbewegte Welt der Erscheinungen hindurch auf das Wesen, den Kern und Motor der Verhältnisse zu stoßen.

Sie sind tief unten verborgen und liegen doch – ein offenbares Geheimnis – gleichzeitig vor aller Augen. Sie aufzuspüren, bedarf es harter wissenschaftlicher Arbeit, angestrengter, scharfsinniger Analyse.

Was sah Marx in der Tiefe? Das „Wesen“ des Kapitalismus, sein innerster Kern, sein Motor ist der Doppelcharakter der Arbeit. Sie schafft Gebrauchswerte und Waren. Ware wird etwas, wenn es …read more

Source:: Berliner Zeitung – Kultur

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