„Sind Sie etwa für Ausländer?“: Die AfD mischt im Wahlkampf ganze Städte auf

Ein Gespenst geht um in Deutschland. Es ist Frühherbst, es ist Wahlkampf, und es ist laut auf den Straßen und Marktplätzen. Trillerpfeifen, Buhrufe, Sprechchöre. Dass immer wieder Auftritte der Bundeskanzlerin gezielt gestört werden, im Osten wie im Westen, hat sie inzwischen schon selbst kommentiert. Sie drücke sich nicht vor den unbequemen Orten, sagt Angela Merkel – auch als „Ermutigung derer, die sich gegen Hass stellen“.

Davon gibt es viele, auch in Ostdeutschland. In den Medien ist nur wenig von ihnen zu sehen, aber sie sind da, auch an diesem Dienstagabend in Jena. Laut ist es auch bei ihnen, wenn sie gegen Kundgebungen von AfD oder NPD auf die Straße gehen. Es geht dabei oft bunt und friedlich zu, aber auch hier ist mitunter Wut zu spüren.

Ausnahmezustand in Jena

Auch in Jena hat die AfD deshalb kein Heimspiel an diesem Dienstagabend. Spitzenkandidatin Alice Weidel wird erwartet, hier in Thüringen, wo die AfD besonders weit rechts steht, wo einer wie Björn Höcke Landeschef ist. Lange, bevor sich die AfD-Anhänger auf dem Holzmarkt versammeln, haben die Gegner mobil gemacht, an sechs Orten sind Kundgebungen angemeldet. Die Polizei hat die Innenstadt abgeriegelt, viele Läden haben vorsorglich schon mittags geschlossen. „So weit ist es gekommen“, sagt eine ältere Dame, schockiert über den Ausnahmezustand.

Am Ende sind viel mehr Menschen da, die ihren Unmut über die AfD zum Ausdruck bringen als solche, die „Merkel muss weg“ brüllen. Überraschend ist das nicht, die Universitätsstadt hat eine starke linke Szene, die Partei Die Linke ist die stärkste politische Kraft. Bekanntester Kopf jeglichen Protests gegen Rechts ist Lothar König, evangelischer Stadtjugendpfarrer und notorischer Unruhegeist. Der Protest beginnt mit einer Andacht vor der Stadtkirche, es ist von Anstand die Rede und davon, dass man sich mit auch mit denen auseinandersetzen muss, deren Meinung man nicht teilt. Das hören nicht alle gern. „Viele …read more

Source:: Berliner Zeitung – Politik

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