Holocaust-Mahnmal in London: Erinnerung ist nicht genug

Victoria Tower Gardens gehört zu den eher unbekannten Sehenswürdigkeiten Londons. Der kleine Park mit alten Bäumen schließt südlich an den Palast von Westminster an, stellt also für Abgeordnete und Mitarbeiter des britischen Parlaments ebenso wie Angestellte der nahegelegenen Büros eine wichtige grüne Oase dar. Bänke mit Blick aufs andere Ufer der Themse laden zur Kontemplation ein, auch ein kleiner Spielplatz findet sich dort.

Mit der innerstädtischen Idylle soll es nach Plänen der britischen Regierung bald vorbei sein. Umgerechnet 56 Millionen Euro werden Bagger und Betonmischer, Stahlkocher und Softwaredesigner in den kommenden drei Jahren verbrauchen, um das Pärklein umzugraben. Am Ende erlebt Großbritannien 2021 „Architektur als Emotion“, wie es Chefplaner David Adjaye formuliert: ein zentrales Museum zum Gedenken an den Holocaust, „ein Erlebnis, einen lebendigen Ort, nicht nur ein Monument zur Erinnerung“.

Prominente Beteiligung

Vom Wettbewerb, veranstaltet von der regierungsnahen Stiftung UKHMF, waren Newcomer ausdrücklich ausgeschlossen. Unberücksichtigt blieb also der etwaige geniale Wurf eines Unbekannten, wie das Design der damals 21-Jährigen Maya Lin für das Washingtoner Vietnamkrieg-Memorial. Immerhin beteiligten sich alle großen Namen, die das Land zu bieten hat: von Altmeister Norman Foster und Daniel Libeskind über die Firma der verstorbenen Zaha Hadid bis zu Bildhauern wie Anish Kapoor und Rachel Whiteread.

Siegreich blieb das Adjaye-Team, bestehend aus dem britischen Architekten ghanaischer Abstammung, dem in London lebenden israelischen Designer Ron Arad und der Gartenbaufirma Gustafson Porter + Bowman. Deren Idee sieht vor, den kleinen Park an einer Seite anzuheben wie einen Teppich.

Unterirdisches Museum

Im Untergrund soll ein Museum Platz finden; aktuelle Ausstellungen würden die Erinnerungen von 114 Holocaust-Überlebenden ergänzen, hinzu kommt ein stiller Gedenkraum. Über der Erde ragen 23 zerklüftete Flügel aus Stahl meterhoch in den Himmel. Die engen Zwischenräume münden in die Treppe zum Museum; sie repräsentieren jene 22 Staaten, in denen Juden, Zigeuner und Behinderte systematisch ermordet wurden.

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Source:: Berliner Zeitung – Kultur

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