Mord als Vertuschung?: Ermittler entwirft im Fall Oury Jalloh ein schlimmes Szenario

Drei Männer, drei Festnahmen, drei Todesfälle in Dessau. Es beginnt in einer Nacht im Dezember 1997, als Hans-Jürgen Rose nach einer Alkoholfahrt von Polizisten aufgegriffen wird. Was im Revier passiert, bleibt unklar.

Sicher ist: Kurz darauf wird der sterbende Mann wenige Häuser entfernt mit schweren inneren Verletzungen aufgefunden. Ein zweiter Fall, fünf Jahre später: Der obdachlose Mario Bichtemann wird in Zelle 5 des Dessauer Reviers eingesperrt. Als die Zellentür aufgeschlossen wird, liegt er mit einem Schädelbasisbruch tot auf dem Boden. Es bleibt nicht der letzte Todesfall in dieser Zelle. 2005 verbrennt genau dort ein gefesselter Asylbewerber aus Sierra Leone. Es ist Oury Jalloh. Er stirbt unter unklaren Umständen. So wie Rose und Bichtemann.

Wolfgangstraße 25, 06844 Dessau-Roßlau. Lassen hier Polizisten Menschen sterben? Es gibt diese schlimme Theorie schon seit Jahren. Die „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ sprach 2015 von „mörderischen Umständen“ in der Polizeizentrale: „Fakt ist, dass mindestens drei Menschen auf bislang ungeklärte Weise im Polizeirevier Dessau-Roßlau ums Leben gekommen sind.“ Allen Todesfällen gemein seien die schweren Verletzungen der Männer „und der mehr als naheliegende Verdacht, dass im Dessauer Polizeirevier über Jahre hinweg Menschen gequält und getötet wurden“.

Wende m Fall Oury Jalloh: Die Theorie des Chefermittlers

Lange Zeit konnte dies als Verschwörungstheorie abgetan werden. Das ändert sich nun. Bislang unbekannt ist, dass auch der bis Mai zuständige Leitende Oberstaatsanwalt im Fall Oury Jalloh ganz offiziell mit dieser These arbeitete. Ein brisantes Detail in den bislang verschlossenen Akten zum Feuertod.

Nach MZ-Recherchen ging der jahrelang zuständige Dessauer Oberstaatsanwalt Folker Bittmann in seinem Vermerk vom 4. April 2017 nicht nur von einem Tötungsdelikt „seitens garantenpflichtiger Polizeibeamter“ aus. Er verknüpfte diesen Verdacht auch mit den früheren Todesfällen Rose und Bichtemann. Das geht aus dem neunseitigen Dokument hervor, das der MZ in Kopie vorliegt. Darin fasst Bittmann die Erkenntnisse aus einem neuen Brandversuch von 2016 zusammen, der …read more

Source:: Berliner Zeitung – Politik

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