BLICK-Kolumnist Claude Cueni über die Angst vor Veränderungen: Höchste Eisenbahn ist immer

Nichts ängstigt den Menschen mehr als Veränderungen – und diese treten immer schneller ein. Doch die Zukunft lässt sich nun mal nicht aufhalten. Die neue Kolumne „Geschichte» von Claude Cueni.

„Nichts ist absurder als die Annahme, eine Lokomotive könne doppelt so schnell sein wie eine Pferdekutsche», schrieb 1825 das britische Magazin „Quarterly Review». Und Professor Dionysius Lardner orakelte, dass Passagiere aufgrund der hohen Geschwindigkeiten ersticken würden.

Die Pariser Académie des sciences prophezeite gar ein „Delirium furiosum»: Tobsuchtsanfälle, die Bahnreisende unterwegs befallen würden. Die Landeskirchen geisselten die neue Technologie als Werk des Teufels, denn Religionsführer scheuen die Wissenschaft wie der Teufel das Weihwasser.

Die Ablehnung der Eisenbahn beruhte nicht nur auf Aberglauben und Technikfeindlichkeit, sondern auch auf realen Existenzängsten. Kutscher, Stallburschen, Hufschmiede und Stellmacher bangten um ihre Arbeit.

Neue Jobs in neuen Branchen

Nichts ängstigt den Menschen mehr als Veränderungen, sei es der Alltag nach dem Verlust des Lebenspartners, des Arbeitsplatzes oder der vertrauten Welt.

Doch es kam anders.

Tagelange Kutschenfahrten dauerten nur noch wenige Stunden und begeisterten eine reisefreudige Oberschicht. An den Haltestellen entstanden Bahnhöfe und Hotels, Fotografen verkauften Ansichtskarten, Reiseliteratur boomte, Louis Vuitton fabrizierte robuste Reisetruhen, es entstanden neue Branchen und neue Jobs.

Aha, es gibt kein Öl mehr

Der Club of Rome prognostizierte in den 1970er-Jahren eine verheerende Massenarbeitslosigkeit als Folge der Computerisierung. Doch es entstanden Firmen wie Apple, Amazon, Electronic Arts, Paypal, Facebook; sie schafften neue Berufe und Millionen Arbeitsplätze. Hatten die Propheten des Weltuntergangs nicht auch schon das Ende der Ölreserven im Jahr 2002 vorausgesagt? Wann haben Sie zuletzt getankt?

Bahnbrechende Entwicklungen entstehen heute nicht mehr im Laufe eines halben Jahrhunderts, sondern innerhalb von Jahren. Das gilt übrigens auch für die rasante Zerstörung unserer Umwelt. Roboterisierung und selbstlernende IT-Systeme werden viele Arbeitsplätze vernichten, aber auch neue schaffen. Doch nur für jene, die sich lebenslang weiterbilden. …read more

Source:: Blick.ch – Wirtschaft

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