Die Zukunft der Volksbühne: Nach Dercons Abgang kann eine konstruktive Debatte beginnen

Nun ist Chris Dercon schon ein ganzes Wochenende weg, und die Volksbühne ist noch immer nicht gerettet! Ulrich Khuon, der Intendant des Deutschen Theaters, gab sich am vergangenen Freitag erleichtert, dass eine einvernehmliche Lösung gefunden worden sei und es keine Schlammschlacht gegeben habe.

Der Intendant der Berliner Festspiele Thomas Oberender rief − beherzt oder verzweifelt? − „Don’t look back“ in die Runde. Und in der Tat, könnte sich, nachdem Chris Dercon von der Bildfläche verschwunden ist, der Blick nach vorn zum Panorama weiten: Da erhebt sich ein schroffes, gipfelreiches, aber auch vielversprechendes Problem- und Aufgabengebirge.

Der letzte Matsch

Ganz ohne Schlammschlacht in den Medien ging es dann nicht ab, bot doch der Rücktritt einen Anlass, reflexhaft all die Klischees noch einmal kräftig durchzumatschen und in die Runde zu werfen. Der unbekannte Fäkalienschmierer, der Dercons Vorbereitungsbüro beschmutzt hat, kann für sich in Anspruch nehmen, zum Symbol für die Berliner Anti-Dercon-Stimmung geworden zu sein.

Von vielen Kommentatoren wird er in eine Reihe mit den antikapitalistischen Besetzern gestellt, diese wiederum mit den 40.000 Leuten, die die Petition „Die Zukunft Volksbühne neu überdenken“ unterschrieben haben, diese mit unverbesserlichen Castorf-Anbetern, die allesamt ihre Jugend nicht hergeben, den Osten wieder haben wollen, überall Tschüss-Chris-Aufkleber verteilen, die sozialen Medien volltrollen und jetzt Dercons Scheitern feiern.

Dumpfer als die AfD

Da haben wir dann die „kleingeistige Hybris einer Kulturszene, die den Kapitalismus an der falschen Stelle bekämpfen will, mit Mitteln, die nur unwesentlich dumpfer sind als die der Kulturverächter der AfD“, wie es Spiegelkolumnist Georg Diez ausdifferenziert: Dumpfer als die AfD, aber immerhin nur unwesentlich. Die Kommentatoren der Jungen Welt und von Compact scheinen ihm recht zu geben. Alles eine Soße?

Wie langweilig! Und wie zermürbend! Offenbar tritt die Debatte seit im April 2015 der Amtswechsel an der Volksbühne angekündigt wurde millimetergenau auf der Stelle. Aus dem Gesumm der Rücktritt-Kommentatoren ragen allerdings die Recherchen …read more

Source:: Berliner Zeitung – Kultur

(Visited 7 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.