Nachruf : V.S. Naipaul zeigte die Welt, wie sie ist

Am Sonnabend dachte ich an Vidiadhar Surajprasad (V.S.) Naipaul. Da wusste ich noch nichts von seinem Tod. Ich überlegte, wie sehr ich seine Stimme vermisste, wie wichtig es wäre, dass er sich umschaute in der Welt von heute und uns von dem erzählte, was er darin sah. Er hatte das ein halbes Jahrhundert lang getan. Wir waren klüger geworden durch ihn. Er hatte uns die Welt gezeigt, wie sie war, nicht wie wir sie gerne hätten. Er war neugierig und so sehr er es liebte, sich seine Gedanken zu machen, so sehr war er vernarrt ins Fragen.

Er reiste und sprach mit den Menschen. Mit Zufallsbekanntschaften und mit sorgfältig ausgewählten Personen. Er wollte die unterschiedlichsten Erklärungen für das, was er sah und er wollte gezeigt bekommen, was er übersehen hatte.

Ich sollte, so dachte ich vergangenen Sonnabend, darüber schreiben, wie sehr ich ihn vermisse. Wir tun das, dachte ich, immer erst wenn die Menschen tot sind. Wir sollten es ihnen sagen, solange sie noch leben. Jetzt schreibe doch keinen Gruß an ihn, sondern einen Nachruf.

Am 17. August wäre er 86 Jahre alt geworden. Auf die Welt kam er in Chaguanas auf Trinidad und Tobago. Seine Großeltern waren in den 1880er Jahren als Kontraktarbeiter aus Indien in die Karibik gekommen. Sein Vater arbeitete seit 1929 als Journalist und träumte davon, Schriftsteller zu werden. Seine Söhne V.S. und dessen jüngerer, bereits 1985 verstorbener Bruder Shiva Naipaul wurden es.

Er war hinter der Arbeit her

Zum Schulabschluss gewann V.S. Naipaul ein Stipendium, das ihm erlaubte, wo auch immer im britischen Empire zu studieren. Er entschied sich für Oxford. In Wahrheit aber wollte er nach London und Schriftsteller werden. Als sein Vater 1953 starb, zog im Jahr darauf V.S. Naipaul, ein unsicherer, schüchterner, von Depressionen geplagter junger Mann nach London. Er war auf dem Weg anzukommen. Darüber hat …read more

Source:: Berliner Zeitung – Kultur

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