Spurensuche in Deutschland: Passen Islam und Feminismus zusammen?

Irgendwo dort drüben, die Brunnenstraße hoch, muss die Grenze sein. Eine unsichtbare Linie, die Zana Ramadani nicht übertreten mag. „Als Frau wage ich mich nicht mehr in dieses Viertel“, sagt sie. Zana Ramadani sitzt im Café St. Oberholz am Rosentaler Platz, dem Epizentrum der Hipsterbewegung in Berlin-Mitte. Ramadani, Feministin und Autorin, schaut aus dem Fenster. „Dieses Viertel“ – damit meint sie den nördlich an Mitte anschließenden Wedding, wo die Einwohner zu 48,3 Prozent einen Migrationshintergrund haben, unter ihnen viele Türken und Araber.

„Dort verfolgt mich ein Spalier von Augen, das ist unangenehm“, sagt Ramadani. „Die Geschlechtertrennung nimmt dort zu, auch die Anzahl der getragenen Kopftücher.“ Immer mehr Frauen würden einem patriarchalischen Islamverständnis folgen. „Ich kenne keine wirklich selbstbestimmte und unabhängige Kopftuchträgerin.“

Stimmt es, dass es einen „islamischen Feminismus“, wie Ramadani meint, nicht gibt? Was tut sich unter Frauen in den muslimischen Milieus Deutschlands? Diese Spurensuche bewegt sich auf emotional aufgeheiztem Terrain: Der Islam wird überaus kritisch beäugt. Früher waren Türken und Araber in Deutschland die „Ausländer“, heute „Muslime“. „Islamkritik“ hat sich als Alltagswort etabliert. Dagegen melden sich immer mehr muslimische Frauen zu Wort, prägen Debatten wie die über das Kopftuch – unabhängig davon, wie sie dazu stehen; früher wurden diese Debatten vorwiegend von weißen Männern geführt.

Ein Blick Richtung Wedding

Zana Ramadani hat darüber ein Buch geschrieben, „Die verschleierte Gefahr“. Darin kritisiert sie eine „Annexion des öffentlichen Raums“, einen „Toleranzwahn der Deutschen“. Es ist auch ein Buch über sich selbst, ihren Ausbruch aus patriarchalen Familienstrukturen, ihren Kampf mit der muslimischen Mutter um Selbstbestimmung bis hin zur Flucht ins Frauenhaus. Ramadani engagierte sich bei Femen, einer Gruppe, die mit Oben-ohne-Aktionen gegen Sexismus streitet. „Muslimische Milieus sind wie Glaskästen. Der Druck für das Kopftuch, für die Unterordnung gegenüber dem Mann ist immens groß.“

Raus aus dem Café, die Straße hoch, Richtung Wedding. Bunt ist es auf den …read more

Source:: Berliner Zeitung – Politik

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