KULTUR

Museum Liaunig: Der Raum zwischen den Dingen

Das Sammlermuseum behauptet sich an der Peripherie der auf Wien zentrierten Kunstszene: Aktuell mit einer sehenswerten Schau zur Skulptur in Österreich nach 1945.

Man muss nicht unbedingt ins James-Webb-Weltraumteleskop blicken, um die Genese von Galaxien zu erspähen: Manchmal reicht auch ein Museumsbesuch. Im Kunstuniversum gibt es nämlich ebenso neu entstehende und verglühende Sterne, Gravitationsfelder, Wolken, Planeten und Satelliten.

Wer Kunstgeschichte erzählen will, schaut genau auf die Laufbahnen dieser Himmelskörper und deren Beziehung zueinander. Nicht selten flankieren Trabanten die großen Brummer, den sogenannten „Kanon“. Manchmal kollidieren sie mit ihm oder lenken seine Laufbahn um.

Das Museum Liaunig, das heuer im 14. Jahr in Neuhaus/Suha, einer doch recht peripher gelegenen Umlaufbahn zum wienzentrierten österreichischen Kunstbetrieb, seine Runden zieht, ist dabei stets der Betrachtung wert. Die Sammlung des Industriellen Herbert W. Liaunig – zunehmend auch von Erwerbungen seines Sohnes Peter ergänzt – rückt nämlich immer wieder übersehene Individuen oder ungewohnte Werke großer Namen in den Fokus. Der Kanon gerät dabei nie aus dem Blick, wird aber in erhellender Art ergänzt.

„Lost in Space“

Die diesjährige Hauptausstellung „Lost in Space“ (bis 30. 10.) stellt diese Qualität einmal mehr unter Beweis. Überthema der großteils aus Sammlungsbeständen bestückten Schau ist dabei nicht die Astronomie, sondern die Skulptur. Kurator Günther Holler-Schuster lässt dabei erkennen, wie sich das Verständnis der Gattung nach 1945 vom Statuen-Ideal entfernte und Allianzen mit anderen Kunstformen einging.

Die Nachbildung der Natur bleibt dabei als Fossil übrig – oder als Dino. Eine im Zentrum des Museums platzierte Fiberglas-Nachbildung eines solchen Tiers aus einem Urzeit-Park erklärte Hans Schabus nämlich einst zum Kunstwerk: Eine Fortführung des „Readymade“-Konzepts.

Viele kunstgewordene Alltagsgegenstände sind auch mit biografischen Geschichten aufgeladen. Sinnfällig wird das etwa bei den Bodenschrubbern von Reimo Wukounig, einem Künstler, den Liaunig über Jahrzehnte hinweg begleitete: Die Besen nehmen hier auf traumatische Kindheitserfahrungen in einem Zöglingsheim Bezug.

Wenn die Dingwelt konzeptuell einen Pol des Parcours markiert, …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

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