POLITIK

Moskau will reden – aber wohl nur zum Schein

Russland spricht plötzlich offen über einen Waffenstillstand. Das dürfte eine Finte sein, zeigen Enthüllungen: Der Kreml will offenbar Zeit für einen neuen Großangriff im Februar schinden.

Verhandlungen? Dieses Wort ist seit den Massakern von Butscha fast völlig aus der politischen Kommunikation verschwunden. Damals waren die ohnehin nur schleppend verlaufenden Gespräche zwischen Kiew und Moskau eingefroren worden.

Jetzt, sieben Monate später, spricht Moskau plötzlich wieder davon. „Unter gewissen Bedingungen“ seien Gespräche denkbar, ließ Sergej Naryschkin, Chef des Auslandsgeheimdiensts, kürzlich wissen. Dass er sein US-Gegenüber, CIA-Direktor William Burns, kürzlich in Ankara traf, und dieses Treffen auch gar nicht geheim gehalten wurde, befeuerte Spekulationen weiter – die Niederlagen auf dem Schlachtfeld könnten den Kreml ja konzessionsbereit machen.

Nur: Ist dem zu trauen?

Kiew hat Gespräche immer mit dem Hinweis abgelehnt, dass Putin ein doppeltes Spiel spiele. Recherchen der Kreml-kritischen Plattform Meduza bestätigen das jetzt auch. Der Kreml verfolge derzeit eine „neue taktische Option“: Man versuche keinen Friedensschluss auf höchster Ebene zu erreichen – Selenskij hat Gespräche mit Putin ja per Dekret ausgeschlossen –, sondern strebe mittelfristig einen Waffenstillstand an. Aushandeln sollen den die Armeeführungen, und neuerlich „als Geste des guten Willens“ sollten die Russen völlig aus der Region Cherson abziehen.

Neue Großoffensive

Diese „Geste“ sei aber keine Vorbereitung auf einen langfristigen Frieden, sondern das genaue Gegenteil, berichtet Meduza. Der Kreml bereite nämlich für Februar oder März 2023 eine neue Großoffensive in der Ukraine vor, und für die brauche man Vorbereitungszeit – sowohl in puncto Material als auch für das Training der Mobilisierten. Diesen Plan bestätigten dem Portal mehrere Kreml-nahe Quellen unabhängig voneinander.

International wirbt Moskau freilich mit anderen Argumenten für einen Waffenstillstand. Man wolle „noch mehr zivile Opfer vermeiden“, deponierte man etwa beim türkischen Präsidenten Erdoğan, der auch den Getreidedeal mitverhandelte. Erdoğan selbst hat zuletzt mehrfach zur Rückkehr zum Verhandlungstisch aufgerufen, auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron drängte beim G20-Gipfel in …read more

Source:: Kurier.at – Politik

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