Professor Vetterli erklärt: Was ist eigentlich ein Cookie?

Martin Vetterli ist Präsident der EPFL in Lausanne und führender Experte für Digitalisierung. Jede Woche erklärt er Begriffe aus der digitalen Welt.

Im letzten Monat ist die Datenschutz-Grundverordnung der EU in Kraft getreten. Eine der sichtbarsten Auswirkungen dieses Gesetzes ist die endlose Reihe von ­Pop-ups, die auf Webseiten auftauchen und Sie bitten, die „Cookie-Richtlinie» zu akzeptieren. Sind Sie wie ich, klicken Sie letztendlich natürlich auf „Akzeptieren» und hoffen auf das Beste. Aber was sind Cookies eigentlich?

Eine gute Analogie ist die Kunden­karte eines Supermarkts. Die meisten Leute haben eine Cumulus-Karte von der Migros oder eine Supercard von Coop. Wenn Sie diese Karte an der Kasse vorzeigen, erinnert sich das ­System daran, wer Sie sind, ­erhöht Ihre Treuepunkte und schickt Ihnen dann Ihren ­Ein­kaufs­­­gewohnheiten ­entsprechende Werbung oder bietet Ihnen ­Rabatte an. Cookies auf einer Webseite funktionieren sehr ähnlich.

Die Infos werden ohne Ihr Wissen ausgetauscht

Wie eine unsichtbare Kundenkarte weisen sie Ihnen einen einzigartigen Code (das berühmte Cookie) zu, wenn Sie eine Webseite zum ersten Mal besuchen. Dieser Code wird in Ihrem Browser gespeichert, und von da an wird das Cookie jedes Mal, wenn Sie die Webseite besuchen, verwendet, um Sie zu identifizieren. ­

Cookies sind somit sehr nützlich, da sie Webseiten ermöglichen, sich Ihre bevorzugte Sprache oder den Inhalt Ihres Einkaufswagens zu merken. Wo also liegt das Problem? Stellen Sie sich vor, Sie hätten nur eine einzige Kundenkarte (statt Cumulus oder Supercard), die Sie in jedem beliebigen ­Geschäft einsetzen können. Das wäre gewiss praktisch, aber es ermöglicht Firmen, Informationen über Sie zu teilen. Und das ist genau das, wozu Cookies sich entwickelt haben. Das Erschreckendste daran ist, dass dieser Informationsaustausch sogar ohne Ihr Wissen erfolgt, ein ­wenig so, als würde Ihre universelle Kundenkarte beim Betreten eines Geschäfts automatisch ­ausgelesen werden, ohne dass Sie um Ihre Zustimmung ­gebeten werden.

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Source:: Blick.ch – Digital

Computerspielsucht: „Ich hätte mein Leben jederzeit eingetauscht, um virtuell zu leben“

Meistens fängt es ganz harmlos an. Hier ein wenig daddeln mit Freunden, da mal ein neues Spiel ausprobieren, alles in Maßen. Doch dann kommt der Moment, in dem das Abschalten schwerfällt. Die Gedanken kreisen nur noch um das eine: zurück an den Computer, zurück zum Spiel. Das ist der klassische Beginn einer Sucht, die es offiziell erst seit diesem Monat gibt: Die Gaming Disorder oder Computerspielsucht, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nun erst in den Katalog der Krankheiten (ICD-11) aufgenommen hat.

Hohes Risiko zum Missbrauch der Diagnose

Schon seit Jahren warnen Schulen, Medien und Wissenschaftlern vor den Konsequenzen von Computerspielen, berichten von Jugendlichen, die ihr Leben vor dem Bildschirm verzocken. Doch das Phänomen ist noch sehr jung, valide Forschungen in dem Bereich gibt es bisher nur wenige. Deshalb sind auch nicht alle Wissenschaftler glücklich mit der Entscheidung der WHO. So warnte der Psychologe Dr. Andrew K. Przybylski von der University of Oxford in einem mit rund 30 Kollegen erstellten Paper davor, dass ein hohes Risiko zum Missbrauch der Diagnose besteht. Es müsse immer individuell geprüft werden, ob bei exzessiv spielenden Patienten nicht eher zugrunde liegende Probleme wie Depression oder soziale Angststörungen behandelt werden müssten.

Bis zu 16 Stunden täglich gezockt

Dass die Ursprünge der Sucht sehr komplex sein können, weiß auch der 28-jährige Damian Schmidt * (Name von der Redaktion geändert). Er kämpft seit seiner Jugend mit den Auswirkungen seiner Online-Spiele-Sucht. Bis zu 16 Stunden hat er damals täglich gezockt, die Schule deswegen abgebrochen, den Kontakt zu Freunden eingestellt. Seine Eltern waren machtlos, kamen nicht mehr an ihn ran. Seine Rettung kam schließlich ganz zufällig: „Eines Tages habe ich dann einen alten Bekannten wiedergetroffen, mit dem ich dann öfter mal was unternommen habe. Das hat mich das erste Mal weggebracht vom Spielen, weil ich gesehen habe, was andere im Vergleich zu mir so aus ihrem …read more

Source:: Berliner Zeitung – Digital