Eine Stadt entsteht

Diese Bilder sind grandios! Welch eine fulminante Entdeckung! Henri Cartier-Bresson lässt grüßen, und auch die Ästhetik der Neuen Sachlichkeit spielt eine gewichtige Rolle. Der Meisterfotograf indessen ist ein Unbekannter, seine fotografische Hinterlassenschaft ein Zufallsfund seiner Nachkommen. Das Jüdische Museum wartet im Extrazimmer mit einer kleinen Ausstellung auf, die eine große Sensation ist. Ze´ev Aleksandrowicz, 1905 in Krakau geboren, 1992 in Tel Aviv gestorben… …read more

Source:: Wiener Zeitung – Kultur

Geld für Zirkus?: Eine Polemik über die ungerechte Verteilung von Fördermitteln

„Regretting motherhood“ wird jetzt zu einem Bühnenprojekt. Mütter, die bereuen, Mütter geworden zu sein, sind ein entsetzlich kompliziertes Phänomen. Bei Abtragung der einzelnen Problemschichten geht es im Kern darum, dass sich die Frauen ihr Leben auch ohne Kinder oder mit mehr Beruf und weniger familiärer Bindung hätten vorstellen können. Nur ganz selten zeigt sich, dass die Mütter ihr Kind, das nun einmal da ist, nicht wollen. Ein hoffnungslos verkopftes Thema, das kaum in einen Spielfilm oder auf die Doppelseite einer Zeitung passt. Jetzt soll es auf eine Zirkusbühne.

Der Gedanke irritiert sehr. Schon aus der Überzeugung heraus, dass sich nicht jedes Thema für jede Kunstgattung eignet, nur weil es einmal da ist und gerade debattiert wird. Zweitens, weil ausgerechnet für dieses Projekt zum ersten Mal öffentliches Geld in eine Zirkusdarbietung fließt. Subventionen für Zirkus also, Donnerwetter, gab es das je? Und wer bekommt die? Roncalli und Krone jedenfalls nicht.

Zu kompliziert?

Aber keine voreiligen Schlüsse, das ganze Thema ist kompliziert wie eine bereute Mutterschaft. Vielleicht so viel vorab: Das Geld geht in gute Hände, Empfänger ist das „interdisziplinäre Künstlerinnen-Kollektiv Still Hungry für die erste Residenz für zeitgenössischen Zirkus bei Chamäleon Productions“. Wie klingt das? – Kompliziert, was sonst! Dabei ist es eigentlich einfach.

Neben den großen Batzen an Subventionen, die die Opern und Theater Berlins allein wegen ihrer schieren Größe aus dem Kulturhaushalt abziehen, fließen auch Fördermittel in die freie Szene. Theater-, Musik- und Tanzprojekte bekommen in diversen Staffelungen öffentliches Geld, über das Politik und Empfänger ohne Pause streiten. Und jetzt geht eben zum ersten Mal auch ein bisschen Staatsgeld in ein Zirkus-Projekt.

Kulinarik oder Kunst

Zirkus, Varieté und auch Musical gelten als „nicht förderungswürdig“, da sind sich deutsche Kulturpolitiker ziemlich einig. Die sollen gefälligst ihr Geld an der Ticketkasse verdienen. In gewisser Weise verständlich, wer etwa Unterhaltung mit Kulinarik verbindet, hat Möglichkeiten der Ko-Finanzierung. Im …read more

Source:: Berliner Zeitung – Kultur